Landgericht München I: Doping im Sport

Das Landgericht München I hat sich im vergangenen Jahr zum Begriff des Sports im Anti-Doping-Gesetz positioniert 1 und sich dem Bundesgerichtshof angeschlossen:

„Das in § 4 Absatz 1 Nr. 3 und § 2 Absatz 3 AntiDopG enthaltene Tatbestandsmerkmal „zu Dopingzwecken beim Menschen im Sport“ setzt keinen irgendwie gearteten Wettkampfbezug voraus. Sport ist nicht nur der Leistungssport, sondern auch der Breiten- und Freizeitsport. Es ist danach unerheblich, ob die intendierte Leistungssteigerung im Wettkampf, im Training oder in der Freizeit erreicht werden soll.
Namentlich genügt zur Tatbestandsverwirklichung bereits, dass die von dem Anhang zum Übereinkommen vom 16.11.1989 gegen Doping und von der Dopingmittelmengenverordnung (DmMV) erfassten Wirkstoffe zum Zwecke des gesteigerten Muskel- und Kraftaufbau im Kraftsportbereich erworben, besessen bzw. abgegeben werden.
Dies gilt auch soweit […] die Präparate nicht nur für den Muskelaufbau im Kraftsport, sondern auch zu therapeutischen Zwecken Immunschwäche und zur Verlangsamung des körperlichen Alterungsprozesses erwarben. Nicht unter die Verbotsvorschrift des § 4 Abs. 1 Nr. 3 i. V.m. § 2 Abs. 3 AntiDopG fällt zwar der Einsatz zu anderen Zwecken, etwa zu militärischen Vorhaben, zur Ablegung von Leistungsnachweisen oder zur Bewältigung von Prüfungen oder zu therapeutischen Zwecken. Sport erfordert eine körperliche Betätigung. Es muss daher eine die Sportart bestimmende motorische Betätigung vorliegen. Soweit Dopingmittel durch den Täter jedenfalls auch zum gesteigerten Muskel- und Kraftaufbau im Kraftsportbereich angewendet werden, ist es unerheblich, ob er daneben auch eine schnellere Fettverbrennung zur Verlangsamung des körperlichen Alterungsprozesses oder eine Verbesserung seines Immunsystems bezweckt.“

Sport und sportferne Zwecke

Werden Dopingmittel im Kraftsport angewendet, sind danach die Regelungen des Anti-Doping-Gesetz einschlägig. Und zwar selbst dann, wenn daneben weitere Zwecke verfolgt werden, die nichts mit Sport zu tun haben.

Das heißt im Umkehrschluss allerdings auch, dass der Umgang mit Dopingmitteln zu Zwecken außerhalb des Sports nicht tatbestandsmäßig und damit nicht strafbar ist. Welche Zwecke sportfern sind, zählt das Urteil beispielhaft auf und nennt die Vorbereitung auf Prüfungen und Leistungsnachweise sowie therapeutische Zwecke.

Regelmäßig werden Ermittlungsverfahren wegen des Erwerb, Besitz oder Handel mit Dopingmitteln eingeleitet, ohne dass die Motivation des Betroffenen zur Verwendung der Dopingmittel bekannt ist. Sind Sie Beschuldigter in einem solchen Ermittlungsverfahren, sollten Sie deshalb gegenüber der Polizei oder dem Zoll zunächst von Ihrem Schweigerecht Gebrauch und sich strafrechtlich beraten lassen.

  1. LG München I, Urteil vom 21.02.2020 – 9 KLs 384 Js 165441/18 []